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Fastenzeit – oder (in Schwaben) die Zeit der „Herrgottsb’scheißerle“

In Zeiten der Globalisierung wuchs ich in der Generation Y auf. Deutschland, Europa und der Zugang zur ganzen Welt ließen mich glauben, dass Grenzen nur eine Illusion sind.

Als ich mit 18 Jahren mein Nest im Nördlinger Ries verließ, musste ich jedoch lernen:
Als „Bayrisch-Schwabe“ wurde mir in München beigebracht: Ich bin Schwabe.  Auf der Was‘n in Stuttgart wurde ich als Bayer abgestempelt.  Im Ries selbst wurde mir gesagt „Mia san nix davo. Mia san Riaser“  und in Flensburg war ich schockiert, als ich feststellen musste, dass es nicht einmal Maultaschen im Supermarkt gibt.

Da stellte ich mir die Frage: Wo genau beginnt und endet denn eigentlich Schwaben?  
Die Antwort war ernüchternd:  Eine Frage, die keiner so genau beantworten kann, denn die Grenzen der „Spätzle-Dynastie“ sind nicht klar definiert. 
Grundsätzlich lässt sich das Ländle mit der Metropole Stuttgart zwischen Schwarzwald im Westen, Lech im Osten, Hohenloher Land im Norden, Bodensee und Allgäu im Süden begrenzen.  Der kleinere Teil von Augsburg bis zum Ries liegt im Regierungsbezirk Bayern, der größere in Baden-Württemberg.  Doch selbst innerhalb dieser Region beharren die Menschen auf ihre spezifische Bezeichnung. Von „Oberschwaben“, „Bayrisch-Schwaben“ bis „Vo dr Alb ra“. Und wehe, man macht einen Fehler, dann sam mer glei narrad (hdt: …dann sind wir sofort wütend)

Doch auch wenn diese gefühlten Grenzen die Schwaben separieren - eins hält uns alle zusammen: Die Liebe zu den Mauldäschla.

Legenden über Legenden ranken sich um den Begriff der schwäbischen Maultasche. Von Mönchen, welche Fleisch während der Fastenzeit in einer Nudel von Gott unbemerkt verzehrten, bis Waldenser, protestantische Glaubensflüchtlinge aus Norditalien, welche eine Art Ravioli herstellen wollten, befeuern die mysteriöse Entstehung der Maultasche.

Fakt ist jedoch: Aus Legende wurde Tradition und noch heute sind Maultaschen, insbesondere im Ländle, ein beliebtes Gericht, sowohl am Gründonnerstag als auch am Karfreitag.

 Und damit die Maultaschen schon beim ersten Mal gelingen und nix wegschmeißa musch, teile ich meine Erfahrungen mit euch:

 

Zutaten:

Für den Nudelteig:

300 g Mehl
2 Eier
1 Eigelb
3 EL Öl
Salz
Wasser nach Bedarf

Für die Füllung

1 Zwiebel
70 g Speckwürfel
Butter
250 g Schweinehackfleisch
2 Eier
200 g Spinat
50 g Semmelbrösel
Petersilie
Muskat
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

1.    Das Mehl mit einer Prise Salz vermischen. Eier und Öl in eine Mulde im Mehl geben und erstmals untereinander vermischen. Anschließend zu einem festen Nudelteig verkneten, bis dieser glänzt. Ist der Teig anfangs noch zu krümelig, einfach etwas Wasser hinzufügen. Den Teig in ein Küchentuch hüllen und bei Zimmertemperatur ca. 30 min ruhen lassen.

2.    In der Zwischenzeit: Zwiebel schälen und klein schneiden. Zusammen mit den Speckwürfeln in Butter anschwitzen. 

3.    Übrige Zutaten hinzufügen und gut verkneten.

4.    Nudelteig dünn ausrollen. Quadrate ausschneiden (Kantenlänge ca. 7 cm) und anschließend mit etwas Eigelb bestreichen.

5.    Auf die eine Hälfte des Quadrats etwas Füllung geben, dann die andere Teighälfte darüber klappen. Die Kanten mit einem Holzkochlöffel gut festdrücken. Die Maultaschen nachträglich dünn mit Mehl einreiben, so dass der Nudelteig nicht an Teller oder anderen Maultaschen festklebt.

6.    Salzwasser oder Suppenbrühe zum Kochen bringen. Auf mittlerer Hitze, sobald das Wasser nicht mehr kocht, Maultaschen hinzugeben und zwölf Minuten garen.

In diesem Sinne: Schöne Ostern und schaff’s no guad.

 


Grundrezept: Bayrisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Bildnachweiß: LfL